Wildkamera richtig positionieren

Wenn man zum allerersten Mal eine Wildkamera in den Händen hält, macht es großen Spaß, einfach erst mal loszulegen und herumzuexperimentieren. Also raus in den Garten oder ins Revier, die Kamera an einem Baum befestigen und einschalten! Damit Sie auch auf Dauer optimale Bilder und Videos erhalten, haben wir für Sie die besten Tipps gesammelt, wie Sie Ihre Wildkamera richtig positionieren. Das sorgt für gute Aufnahmen bei möglichst wenig Fehlauslösungen.


Wildkamera richtig positionieren



Nicht in die Sonne schauen

Wahrscheinlich kennen Sie das Problem bereits von herkömmlichen Kameras: Aufnahmen mit Gegenlicht sind meistens überstrahlt, haben wenig Kontrast und oft farbige Schlieren. Das sollten Sie beim Montieren Ihrer Wildkamera berücksichtigen. Wenn die Sonne blendet, kann es außerdem zu starken Überbelichtungen kommen.

Am günstigsten ist eine Ausrichtung des Objektivs in Richtung Norden sowie ein ganztags beschattetes Plätzchen. In der Praxis ist das natürlich nicht immer so einfach machbar. Insbesondere die tief stehende Morgen- oder Abendsonne hat schon so manches schöne Bild ruiniert, da die Sonne dann direkt in die Kameralinse scheint.

Der Norden ist optimal, aber eine Südausrichtung ist dem direkten Blick in einen Sonnenauf- oder -untergang immer noch vorzuziehen. Denken Sie beim Aufhängen in Richtung Süden daran, die Kamera leicht nach unten zu kippen, damit die hochstehende Mittagssonne nicht direkt ins Objektiv scheinen kann.

Es gibt noch einen weiteren Grund, weswegen der Blick nach Süden zu Problemen führen kann: Die Scheibe vor dem Bewegungssensor kann sich stark aufheizen, wenn direkte Mittagssonne auf das Gehäuse fällt. Im schlimmsten Fall reagiert die Fotofalle gar nicht mehr auf Bewegungen – sie ist dann wortwörtlich geblendet.

Unser TIPP: Falls es wegen der Ausrichtung der Wildkamera zu vielen Fehlbelichtungen kommt, können Sie zu einem kleinen Trick greifen: Stellen Sie das Zeitfenster der Kamera einfach so ein, dass während der kritischen Zeit keine Aufnahmen ausgelöst werden. Sparen Sie zum Beispiel die Mittagszeit aus, wenn Ihre Kamera in Richtung Süden schaut und Sie oft Bilder wegen Fehlbelichtungen aussortieren müssen. Das spart Nerven, Batterie und Platz auf der Speicherkarte.




Bahn frei!

Wildkameras haben keinen Sucher und meist nur einen kleinen Monitor. Daher erkennt man störende Bildelemente oft erst später, wenn man die Bilder in Ruhe zu Hause betrachtet. Und dann ärgert man sich, wenn der unauffällig dünne Halm, den man übersehen hatte, zu einer strahlenden Fackel mutiert ist. Die Lichtstärke der LEDs ist nämlich für Entfernungen ab mehreren Metern optimiert. Der Nahbereich wird daher gnadenlos überbelichtet. Achten Sie also beim Aufstellen darauf, was sich alles vor Ihrer Linse befindet und sorgen Sie bei Bedarf für freie Bahn.


Besonnte Äste und Gräser täuschen den Sensor

Wildkameras verfügen über hochempfindliche Infrarot-Sensoren. Sie erfassen die Wärme, die ein Lebewesen ausstrahlt sowie die Bewegung der Wärmequelle. Erst wenn der Sensor Wärme plus Bewegung erkennt, erwacht die Kamera aus dem Stand-by und nimmt ein Bild auf. Ein Zweig im Erfassungsbereich des Sensors wird also kein Bild auslösen, auch wenn er sich im Wind bewegt, da er nicht wärmer als seine Umgebung ist. Das ändert sich jedoch, sobald dieser Zweig direkt von der Sonne angestrahlt und erwärmt wird.

Stellen Sie sich einen schönen dunklen Fichtenzweig vor, auf den am späten Vormittag die Sonne fällt. Er wird sich rasch erwärmen, während die Wiese dahinter noch im Schatten liegt und entsprechend kühler bleibt. Kommt jetzt ein wenig Wind hinzu und der Zweig beginnt sich zu bewegen, haben wir die klassische Situation: Wärme plus Bewegung. Der Sensor weckt die Kamera auf, und wenn Sie das nächste Mal vor Ort sind, finden Sie eine Menge Fehlauslösungen auf der Speicherkarte.

Positionieren Sie Ihre Wildkamera also möglichst so, dass sich keine Büsche, dünnen Äste oder jungen Bäume im Bild befinden, die sich durch direkte Sonneneinstrahlung aufwärmen und bei Wind zu Fehlauslösungen führen könnten. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Aber mit dem Wissen um die Problematik im Hinterkopf lässt sich mit ein bisschen Umschauen und Nachdenken oft noch eine besser geeignete Stelle ausfindig machen.

Unser TIPP: Wenn Sie keine gute Stelle finden, können Sie Folgendes versuchen: Gehen Sie ins Menü Ihrer Kamera und setzen Sie die Empfindlichkeit des Bewegungssensors herab. Das ist bei vielen Modellen problemlos möglich.


Wackelfrei hängen

Aber nicht nur Dinge, die sich vor Ihrer Wildkamera befinden, können sich im Wind bewegen. Wenn Sie die Kamera an einer zu schwachen Befestigungsgrundlage anbringen, wird sie sich selber leicht bewegen, sobald der Wind auffrischt. Wird dann das Areal vor dem Objektiv von Sonne beschienen, erfasst der Sensor auch hier Wärme plus Bewegung. Dass er sich selber bewegt und nicht die Objekte vor ihm, kann der Sensor nicht unterscheiden. Und Sie finden hinterher viele „leere“ Bilder auf der Speicherkarte.

Wählen Sie also zur Montage einen Untergrund, der stark genug ist, auch bei stärkerem Wind nicht in Schwingung zu geraten. Baumstämme ab 25 cm Durchmesser eignen sich gut, Seitenäste jedoch deutlich weniger, da sie leichter schwingen können als der Stamm. Bei starkem Wind werden aber auch dickere Stämme kräftig durchgerüttelt.

Unser TIPP: Es gibt einen Trick, wie Sie der Ursache von ständigen Fehlauslösungen auf die Spur kommen können. Stellen Sie Ihre Kamera in den Zeitraffer/Serienbild-Modus und nehmen Sie eine Sequenz von einigen hundert Bildern auf. Lassen Sie diese Bilder mit einem geeigneten Bildbetrachter an Ihrem PC schnell durchlaufen. Jetzt erkennen Sie viel besser, wo die Ursache der „leeren“ Bilder zu suchen ist. Neben Sonne und Bewegung können das auch z. B. schnell durchfliegende Vögel oder eine geschäftige Maus sein, die man hinterher auf einem Einzelbild nur schwer erkennt.



Mit Vordergrund und Überblick: die richtige Höhe

Meistens wird empfohlen, die Fotofalle etwa hüfthoch zu befestigen und leicht nach unten zu neigen. Für viele Einsatzzwecke ist das eine sehr günstige Position. Durch die leichte Neigung wird auch der Nahbereich vor der Kamera mit erfasst. Denn ansonsten kann es Ihnen passieren, dass Sie auf Ihren Fotos Rehe mit abgeschnittenen Beinen oder nur den Rücken des Stücks Schwarzwildes vorfinden.

Zur Objektüberwachung eignet sich dagegen am besten die Vogelperspektive. Hängen Sie Ihre Fotofalle in 2,50 bis 3 Meter Höhe auf und neigen Sie sie auf das zu überwachende Areal. So bekommen Sie optimalen Überblick. Die Überwachungskamera wird in dieser Höhe kaum entdeckt werden und ist auch nicht so einfach herunterzuholen.

Es gibt noch eine Reihe anderer Erwägungen, die Sie bei Ihrer Entscheidung mit einbeziehen können:

  • Eine auf Augenhöhe des Wilds montierte Kamera bringt die schönsten Fotos. Bei solchen Bildern ist man „mittendrin“.
  • Gut äugendes Wild wird die Kamera rasch entdecken, wenn sie auf dessen Augenhöhe angebracht ist. Vor allem bei weißen LEDs wird das Wild nachts oft direkt in die Kamera blicken. Hängen Sie die Kamera etwas höher und neigen Sie sie stärker an, wenn das Wild von der Kamera unbeeinflusst bleiben soll.
  • Bei Schwarzwild kann es sinnvoll sein, die Kamera so hoch anzubringen, dass sie nicht angeknabbert werden kann.
  • Kleinere Tiere erwischen Sie nur, wenn Sie die Kamera deutlich niedriger befestigen. Versuchen Sie es mit 60 – 70 cm und neigen Sie die Kamera leicht, um auch den Nahbereich zu erfassen.
  • Falls Sie Diebstahl befürchten, bietet sich eine Montage in über menschlicher Augenhöhe an. Die Kamera ist damit aus dem Blickfeld verschwunden und wird deutlich seltener wahrgenommen.
  • Falls Sie eine der seltenen Kameras mit Weißlichtblitz besitzen, sollten Sie die Kamera möglichst hoch anbringen und nach unten neigen. So stören Sie das Wild am wenigsten und verhindern, dass es von dem grellen Blitzlicht vergrämt wird.


Abstand finden

Tagsüber machen Fotofallen in einem weiten Bereich tolle Fotos und Videos. Nur im unmittelbaren Nahbereich kann der Fixfokus des Objektivs nicht scharf stellen. Ein Spatz oder eine Maus, die sich unmittelbar vor dem Objektiv befinden, werden dann unscharf, der Hintergrund dagegen knackig scharf.

Der richtige Abstand zum beobachteten Bereich spielt bei Nachtaufnahmen eine weit größere Rolle als tagsüber. Das Licht kommt bei Nacht ausschließlich von den LEDs, die je nach Modell einen mehr oder weniger großen Bereich ausleuchten. Da die Kamera die Belichtung nicht variieren kann und auf jedem Foto dieselbe Menge Licht beisteuert, gibt es immer wieder Probleme mit überstrahltem Nahbereich und in Dunkelheit versinkendem Hintergrund. Als Faustregel können Sie einen Abstand zwischen 3 und gut 10 Metern als besten Abstand für eine optimale Ausleuchtung annehmen.


Bei Kälte sehen Wildkameras besser

Im Winter kann es Ihnen passieren, dass auf einigen Ihrer Nachtfotos scheinbar kein Wild zu sehen ist. Der Grund dafür ist in der Funktionsweise des Bewegungssensors begründet. Dieser erkennt Lebewesen unter anderem daran, dass sie wärmer als ihre Umgebung sind. Im Winter ist diese Temperaturdifferenz aber deutlich höher als in wärmeren Jahreszeiten. Der Sensor kann daher Lebewesen schon früher sehen. Dabei kommt es immer wieder vor, dass sich das Wild außerhalb der Reichweite des LED-Blitzes aufhält und Sie scheinbar leere Landschaftsbilder vorfinden. Bei den meisten Wildkameras lässt sich die Sensorempfindlichkeit einstellen. Bei tiefen Temperaturen auf „niedrig“, bei sommerlicher Hitze auf „hoch“ einstellen.

Unser TIPP: Bei einigen Fotofallen lässt sich der Erfassungsbereich des Sensors einfach abschätzen, da sie über einen Testmodus verfügen. Stellen Sie den entsprechenden Schalter auf „Test“ und bewegen Sie sich vor der Kamera hin- und her. Sobald der Sensor Ihre Bewegung erfasst, blinkt die Kontrollleuchte an der Vorderseite der Kamera auf . Sie erlischt, wenn Sie wieder aus dem Erfassungsbereich heraustreten (oder sich nicht mehr bewegen).


Richtiges Ausrichten am Wildwechsel

Wildkameras machen serienweise wundervolle Bilder, wenn sich Tiere über längere Zeit in ihrem Erfassungsbereich aufhalten, z.B. an einer Kirrung oder Suhle. An einem Wildwechsel befinden sich die Tiere jedoch in Bewegung. Schon nach wenigen Sekunden können sie wieder aus dem Blickfeld verschwunden sein. Löst die Fotofalle zu spät aus, sehen Sie nachher auf dem Bild nur Wald und Bäume. Richten Sie die Kamera daher schräg in einem spitzen Winkel zum Wechsel aus. So kann die Kamera das Wild früher erfassen. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich, dass die Reaktionszeit ausreicht, um das Wild sicher aufs Bild zu bekommen.

Unser TIPP: Sie sollten jedoch nicht den Fehler begehen, die Kamera komplett frontal auszurichten. Der Sensor blickt dann zwar sehr weit in den Wechsel hinein, aber eine technische Besonderheit des Bewegungsmelders wirkt sich hier ungünstig aus.

In dem Beitrag „Wie funktionieren Wildkameras“ auf unserer Startseite habe ich Ihnen von der Streuscheibe vor dem Sensor erzählt. Sie leitet die ankommende Wärmestrahlung über viele kleine Segmente an den Sensor weiter. Nur wenn sich die Wärme von Sensorfeld zu Sensorfeld weiterbewegt, erkennt der Sensor eine bewegte Wärmequelle und weckt die Kamera auf.

Nähert sich ein Stück Wild frontal, bleibt die Wärmestrahlung jedoch erst einmal lange in denselben Sensorfeldern stehen. Wenn sich nachts ein Flugzeug frontal auf Sie zubewegt, sehen Sie auch zuerst nur einen scheinbar am Himmel stehenden Lichtpunkt, bis es nah genug herangekommen ist und Sie es erkennen können. Im Falle der Wildkamera kann es dann schon zu spät sein, um ein schnell wechselndes Tier noch zu erwischen. Eine Ausrichtung schräg zum Wildwechsel ist also in jedem Fall am aussichtsreichsten.


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